Wieso ich Republik nicht unterstütze

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Mit Republik versucht sich gerade ein neues journalistisches Projekt an einer angeblich unabhängigen Berichterstattung. Auch ich war zuerst von der Idee begeistert und wollte schon fast auf den Kaufen Button klicken. Einige Recherchen über das Projekt und die Köpfe dahinter weiter und ich musste davon wieder Abstand nehmen. Wieso erfahrt ihr hier.

Wo ein erfolgreiches Projekt entsteht schiessen bald Nachahmer aus dem Boden die versuchen etwas vom Hype und vom neuen Markt für sich zu gewinnen. Das diese mit einfachem Kopieren oft nicht den selben Erfolg einfahren wie ihre glorreiche Vorbilder wird den Beteiligten oft sehr schnell und sehr schmerzlich bewusst. Und so musste auch Krautreporter nach einem komethaften Aufstieg und einem Siegeszug des Slogan Rettung-des-deutschen-Journalismus nach einem Jahr zurückbuchstabieren. Die Mitgliederzahl brach ein, in Scharren verlor das Projekt bereits 12 Monate nach Beginn das Vertrauen der Unterstützer. Was folgte war eine Umstrukturierung und ein neuer Fokus mit weniger Versprechen und mehr Inhalten. Doch diese Tragik scheint im Internet schon wieder in die Vergessenheit zu geraten, zumindest scheint es so wenn man sich die Euphorie beim aktuellen Versuch De Correspondent in ein anderes Land zu bringen anschaut. Republik sollte das neuste Wunderkind des alternativen Journalismus werden.

Der Online-Journalismus ist kaputt. Wir kriegen das wieder hin“ klebte an ihnen (Krautreporter Anm. d. R.) wie Hundedreck am Schuh.

Und wieder werden mit den selben Argumenten wie bei Krautreporter Werbung gemacht; entschleunigter Journalismus, im Magazin-Form mit wenigen aber guten Geschichten und einer neuen IT-Plattform um die Ziele zu unterstützen. Doch auch wenn die Gründer Constantin Seibt und Christof Moser versprechen die Fehler nicht wiederholen zu wollen, wiederholen sie sie doch. Sie versprechen den Himmel auf Erden und steigern sich mit neuen Zielen immer mehr in ein grosses Loch hinein wo sie nicht mehr herauskommen werden. Sie wollen eine eigene IT-Plattform aufbauen anstatt auf etwas bestehendes setzen und es allen gerecht machen mit Mitspracherecht für Alle. Das ihnen dafür aber schlicht und einfach die Zeit fehlen wird, werden sie erst merken wenn es zu spät ist. Auch ihre IT-Plattform wird zum Anfang nicht halten können was sie versprechen; schon der ambitionierte Zeitplan und die Anzahl an Entwickler reichen bei weitem nicht um etwas komplett neues zu erschaffen. Eine Plattform basierend auf WordPress VIP wäre wohl die bessere und umfangreichere Lösung (und würde auch die in den Statuten der Genossenschaft festgeschriebene Bevorzugung von OpenSource-Software gerechter werden).

Republik Crowdfunding
© Foto Jan Bolomey für republik.ch Über 200 Leute stehen um 7 Uhr morgens vor dem Hotel Rothaus an, um zu den Ersten zu gehören, die eine Republik Mitgliedschaft lösen.

Doch wie bin ich überhaupt auf all diese Überlegungen gekommen? Was hatte mich angesporen überhaupt über das Projekt nachzudenken und mich nicht von der populistischen Hass­ti­ra­de gegen das Bestehende blenden zu lassen? Vielleicht war es meinem früheren Engagement bei Krautreporter geschuldet wo ich das erste Mal sah wie weit doch Versprechen und Realität auseinanderdriften. Und so las ich den Text auf der Projektseite heute Morgen auch nicht ohne Vorbehalte. Ein Text welcher zwar einen neutralen Journalismus verspricht, dieses Versprechen aber gleich wieder bricht indem gegen eine politische motivierte Inbesitznahme von Verlagen und Zeitungen durch rechte Poltiker gewettert wird, hat mein Vertrauen nicht verdient. Wer dann noch den Werdegang von den Gründern liesst weiss endgütlig wo der Wind weht; Republik ist nichts weiter als ein linkes Journalistenprojekt in Form eines digital verfügbaren Magazines. Ich möchte hier keine Kritik gegen Links oder Rechts äussern sondern die beschriebene Neutralität in Frage stellen.

Erst im Fliesstext wird klar dass man mit einer Unterstützung auch automatisch Mitglied bei der Project R Genossenschaft wird. Dort heisst es auch sehr schwammig dass diese das grösste Aktienpaket an der kommerziellen Firma hält welches das Magazin schlussendlich herausgibt. Doch was heisst das Grösste? 90 Prozent oder 80 Prozent? Oder aber auch nur 10 Prozent? Man weiss es leider nicht und so zieht sich eine fehlende Transparenz durch die ganze Webseite. Weder sind die ominösen Investoren bekannt noch wird genau klar was die Mitgliedschaft bei der Genossenschaft bedeutet. Hier ein Auszug aus den Statuten:

Die Mitglieder sind verpflichtet, die Zwecke der Genossenschaft aktiv zu verfolgen […] die Ziele der Genossenschaft zu unterstützen.

Der Vorstand kann ein Mitglied mit sofortiger Wirkung aus der Genossenschaft ausschliessen, wenn vom betreffenden Mitglied oder von dessen Organen statutarische Verpflichtungen missachtet…

Muss nun also jedes Mitglied am Wochenende und nach Feierabend unabhängigen Jounralismus unterstützen indem er Texte schreibt und zu Demonstrationen aufruft? Und wer nicht spurt wird aus der Genossenschaft geworfen? Auch heisst es weiter unten dass die Mitgliedschaft automatisch verlängert wird. Da dies wohl an die 240 Schweizer Franken für das Magazin gebunden ist, kann man hier also einfach in eine Abofalle geraten. Auch behält sich die Genossenschaft offen später neben der Republik noch weitere Projekte zu unterstützen, vielleicht ja sogar die Republik-Anteile weiterzuverkaufen.

Für mich sind das genug Gründe um abzuwarten ob es die Redaktion tatsächlich schaffen sollte echt neutrale Texte zu erfassen oder ob sie sich in den politischen Hintergründen ihrer Gründer verfangen.

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